Wie du deine Familie mit anderen Augen als je zuvor sehen wirst

Du möchtest deiner Familie näher sein, spürst aber irgendwie Blockaden?

Manchmal sind wir auf der Suche. Auf der Suche nach neuen Freunden, oder einfach allgemein nach Menschen die uns verstehen. Bei denen wir uns total sicher und geborgen, einfach eins, fühlen.

Solche Freundschaften und Beziehungen aufzubauen dauert lange.

Dabei vergessen wir leicht darauf, dass es Menschen gibt, die uns näher als alle anderen um uns herum stehen. Menschen, die uns Kraft aus dem Inneren spenden können, und die immer für uns da sind. Die uns auf ganz natürliche Weise einfach ähnlich sind. Menschen die uns so nahe stehen, dass alles was sie tun oder sagen, tiefer wirkt, uns theoretisch auch mehr verletzen kann aber viel wichtiger – Menschen von denen wir uns das Meiste mitnehmen können.

 Unsere Familie. Deine Familie.

Ja schön und gut, das weißt du bestimmt…Mit vielen oder einigen deiner Familienmitglieder funktioniert das ja blendend, aber bei bestimmten von ihnen fühlst du dich nicht so richtig wohl. Mit manchen hast du vielleicht gar keinen Kontakt mehr und vermeidest diesen auch bewusst.

Und ja, so manche Wunden aus der Kindheit sitzen tief. In Zeiten, in denen viele Familien durch Scheidungen oder andere Themen zerrüttet sind, kein Wunder. Einige Familiensysteme gleichen tatsächlich lauter einsamen Insellösungen.

Doch das Sprichwort:

aus den Augen, aus dem Sinn…

… trifft nicht so ganz auf unsere Familie zu.

Da es nicht umsonst „Familienbande“ heißt, wirken unsichtbare Kräfte, die uns verbinden – sogenannte familiären Muster trotzdem weiter in uns.

Und trotzdem, dort wo es bei jedem ersten Schritt zu Beginn am Unangenehmsten ist, steckt das meiste Entwicklungspotential dahinter. Und ich finde es schade, wenn des uns nicht gelingt die Beziehungen zu unseren Lieben, die uns so viel Kraft geben können, auf eine neue Stufe zu heben.

Du suchst nach Freunden und Gleichgesinnten, fühlst dich aber nicht richtig verstanden?

Vielleicht suchst du nicht an der richtigen Stelle…

Deshalb möchte ich dich dazu ermuntern, aktiv auf deine Familie zuzugehen, uns zwar etwas anders als “üblich”.

Wie du deiner Familie Schritt für Schritt näher kommen kannst

Schiebe keine Erwartungen und Vorstellungen vor Personen

Sobald du ein Verhalten, Zuneigung, Liebe, Aufmerksamkeit, Verständnis etc. einforderst – ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch enttäuscht zu werden. Und diesen Druck mit all den Erwartungshaltungen nach Außen, kannst du auch von dir nehmen.

Was du tatsächlich tun kannst, ist den Menschen aus deiner Familie, an den du gerade denkst, anzunehmen mit all seinen Anteilen. Nicht zu bewerten und zu beurteilen. Zu wissen, dass er oder sie sich so verhält wie er es gerade kann. Wie auch er es gelernt hat. Den er kann nur das geben, was auch er selbst bekommen hat.

Schon ein altes indianisches Sprichwort besagt:

Urteile nicht über jemanden, wenn du nicht einen Mond lang in seinen Mokkasins gegangen bist.

Der Mensch, deine Mutter, dein Vater, deine Geschwister – sie sind nicht umsonst gerade so, wie sie eben sind. Auch sie haben einiges mitgemacht und wahrscheinlich einige MÄNGEL in ihrem Leben erfahren.

Doch genau diese Mängel sind es, die die Menschen danach streben lassen, wonach sie suchen. Das was sie ausmacht und auszeichnet. Wer sie sind.

Klar hast du schon viele Erfahrungen mit dem einen Menschen gemacht, die deine Realität und deine Wahrnehmung über ihn formen. Versuche mal, dir in deinen Gedanken eine Brille aufzusetzen. Diese Brille ermöglicht es dir, den Menschen, der vor dir sitzt, so wahrzunehmen, wie er jetzt gerade ist. Ohne Altlasten. Sozusagen mit neuen, milderen Augen. Ohne vorgeschobene Erwartungen.

Und du wirst staunen, wie sich der Mensch plötzlich auch ganz anders benimmt. Allein durch deine innere Einstellungsänderung!

Du selbst bist die Veränderung, die du haben möchtest

Was du tun kannst, ist genau das vorzuzeigen, was du dir in der jetzigen Situation wünschen würdest. Du wünscht dir Ehrlichkeit, Geborgenheit und aufrichtiges Interesse?

Dann zeig lebendig vor, wie genau das in deine Welt geht.

Deine Sprache formt die Realität

Gehe behutsam mit deiner Sprach um. Höre aufmerksam zu, stelle Fragen die du dir zuvor nie zu fragen getraut hättest und geh auf die Person ein. Wenn du Themen klären oder verändern möchtest greif in deinen Werkzeugkasten und nutze das Tool der gewaltfreien Kommunikation.

Zeit miteinander verbringen – uns zwar anders als “normal” gewohnt

Ich weiß, es ist manchmal eine echte Herausforderung aus unserer Komfortzone auszubrechen. Etwas anders zu tun. Doch genau dort wo wir denken, zu Beginn zu hilflos in der Luft zu hängen, uns unsicher uns sogar ein wenig unbehaglich fühlen – während dieser Momenten erleben wir oft die schönsten Augenblicke.

Die Geschichte von den coolen Omas

Ich zum Beispiel war eine zeitlang mit meinem aufregenden “City-Life-Style” in Vienna beschäftig. Und hab meine Familie nicht oft zu Gesicht bekommen. Das war einmal…

Mittlerweile liebe ich es, so wie in meiner frühen Kindheit, einfach mit meiner Oma auf der Hollywood Schaukel zu chillen und zu plaudern. Denn der Erfahrungsschatz und das Einfühlungsvermögen, das meine Oma hat, ist ein kostbares Gut. Trotz den physischen und psychischen Herausforderungen des Alterns, und obwohl sie nur mehr sehr langsam von A nach B kommt, tut sie das mit einem ehrlichen Lächeln auf dem Gesicht.

Und auf meine Frage, wie sie das bloß schafft, kam verblüffender Weise die Antwort:

„Mein liebes Kind, ich rede mir selber gut zu. Ich sage mir stets aufs Neue: Mir geht es in jeder Hinsicht von Tag zu Tag, besser und besser.“

Und sie sagt es nicht einfach, weil sie es wo gelesen hat, sie lebt diese Einstellung, tatsächlich.

Meine andere Oma, ist bekannt für ihre Backkünste und versorgt die ganze Familie mit Leckereien. Zuverlässig und pünktlich. Eines Tages habe ich etwas anderes gemacht, als für sie und mich gewohnt. Ich habe mir einen Ruck gegeben, bin, obwohl wir uns sonst nur zu den üblichen Familienfeiertagen gesehen haben, und ich mich nicht daran erinnern konnte, wann ich das letzte Mal mit ihr alleine war, mit einer feinen Torte vor ihrer Tür gestanden. Einfach so, mit einer Torte als Geschenk für SIE.

The other way round. Und ihr herzliches Lächeln in dem kleinen Moment werde ich wohl nie vergessen. Kostet nix, außer ein klein bisschen Überwindung.

It´s your turn

Möchtest auch du deine Familie durch eine andere Brille betrachten als üblich?

Gib dir einen Ruck und mach dir gleich (bedeutet jetzt) ein eigentlich unübliches Date mit jemandem aus deiner Familienbande aus. Etwas, das du bis jetzt vielleicht immer wieder nach hinten geschoben hast. Und dann tue es. Und sei überrascht, mit welchem guten Gefühl du danach zu Hause, bei dir, ankommst!

 

Sei bei dir – bleib bei dir

8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Michaela,

    danke für diesen wertvollen Artikel! Dazu fällt mir der Spruch ein: “Wenn du wissen willst, ob du erleuchtet bist, verbringe ein Wochenende mit deiner Familie” Familie ist mit so vielen Emotionen behaftet. Ich selbst, gönne mir nur max. 2 Tage am Stück mit meiner Familie. Angeregt durch deinen Artikel werde ich sie das nächste Mal aus anderen Augen betrachten. Insbesondere meine beiden Omas, die mit 96 und 88 noch leben und in der Tat viele, tolle Geschichten zu berichten haben.
    Liebe Grüße, Katrin

    Antworten
    • Liebe Katrin! Auch ein sehr weiser Spruch.Ja, dort wo unsere Emotionen zu Hause sind, gibt es so viel für uns zu entdecken. Dann wünsch ich auch dir eine schöne Zeit mit deinen “coolen” Omas. 🙂

      Antworten
  • Eva Novotny
    27. Mai 2014 19:57

    Bei Menschen (ja, auch Familienmitgliedern) die einem respektvoll und erwachsen begegnen ist das alles wunderbar umsetzbar.
    Wenn man aber so wie ich zwei Menschen in der Familie hat, die Bedürfnisse, Wünsche, Grenzen etc. weder respektieren noch ernst nehmen, sich kommunikativ nicht erreichen noch stoppen lassen, und sich in ein trotziges Kind verwandeln (entweder lautstark od. leise – jedenfalls versuchte emotionale Erpressung), wenn man nicht das tut was sie sich einbilden, dann ist es gesünder sich selbst so einem destruktiven Umfeld nicht länger auszusetzen als nötig.

    Da ich mittlerweile mühsam gelernt habe mich selbst wertzuschätzen und meine Grenzen abzustecken, stößt das natürlich teilweise noch auf heftigeren Widerstand, da ich nun eben nicht mehr alles hinnehme, so wie ich es als Kind ‘mußte’.
    Diese erlangte emotionale Freiheit beinhaltet aber durchaus auch noch mehr eine Art von Distanz, die ich bewußt wahre um mich selbst vor solchen Energieräubern zu schützen.

    Antworten
    • Liebe Eva!

      Danke für deinen Kommentar!

      Das kenne ich das Gefühl, dass persönliche Entwicklung und Veränderung bei anderen auf Widerstand (oder besser gesagt Angst die dahinter steckt) stösst.
      Und ja, auch hier finde ich es bemerkenswert, dass du auf dich und deine Bedürfnisse achtest und dich bewusst negativen Einflüssen entziehst. Distanz ist manchmal auch das einzig realistische Mittel um wieder Luft zum Atmen zu haben. Manchmal beschließen wir diese Distanz bewusst aufrecht zu halten, manchmal passiert es auch, dass aus dieser Distanz eine neue Art des Miteinander entsteht.

      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft dabei!

      Lg, Michaela

      Antworten
  • Nicole Bailer
    28. Mai 2014 10:43

    Hallo liebe Michaela,

    Wirklich ein sehr gelungener Artikel.

    Das ist schon so viele Jahre “mein” Thema. Ich habe erst vor ein paar Wochen das Buch “Endlich Frieden mit den Eltern” gelesen und beschäftige mich viel mit dem inneren Kind und den Verstrickungen die wir so an uns haben….

    Wirklich kein leichtes Thema. Es geht bis in meine Kindheit zurück und immer wieder brechen alte Wunden auf – weil es nicht ganz zur Heilung kommen konnte.

    Für den jetzigen Moment ist es für mich persönlich das Beste auf Abstand zu gehen. Ich brauche einfach Zeit um mir selbst über einige Dinge klar zu werden. Ich möchte meine Anliegen nicht so emotionsgeladen vorbringen, denn sonst eskaliert es wieder…..
    wenn ich mit mir und meinen Vorstellungen soweit im Reinen bin, dann werde ich wieder auf meine Familie zugehen aber dazu brauche ich einfach Zeit.

    Dein Artikel hat mir auf jeden Fall Mut gemacht und gezeigt, dass ich auf dem richtigen weg bin.

    Alles liebe
    deine Nicole

    Antworten
  • Hallo liebe Michaela

    Besonders wichtig finde ich den Hinweis mit der Brille. Wenn ich dich korrekt verstehe, bedeutet das, die Menschen wahr zu nehmen d. h. völlig wertfrei sich jemandem zu nähern.

    Tatsächlich bin ich der Überzeugung, wir nehmen nur wahr wenn wir nicht werten. Sobald der Einzelne zwischen richtig oder falsch, zwischen gut oder schlecht unterscheidet, nimmt er nicht mehr wahr.

    Wahrnehmen können wir jeden Menschen, nicht nur die Eltern. Dann erst ist der Einzelne in der Lage auch wahrnzunehmen, wenn sich andere Menschen nähern. Es gilt dann, dieser inneren Bewegung zu folgen; sich diesem Menschen zu nähern.

    Ein Erwachsener kann die alte (kindliche) Sehnsucht von Geborgenheit und Sicherheit niemals befriedigen. Wie ich das erfahren habe, ist der Einzelne frei, wenn er die Eltern verlässt – körperlich und seelisch. Solange er jedoch auf seelischer Ebene Zuhause noch “etwas” zu erledigen hat, erkennt er seine Freiheit noch nicht und glaubt gebunden zu sein.

    Wenn wir frei sind, gibt es keine moralischen oder gelernten Grenzen mehr mit wehm oder wie wir unsere Zeit verbringen. Das NEIN der Abgrenzung wird dann zu einem JA zu sich und seinem Menschsein. Dann gelangen wir zu unserer eigenen Kraft, aus uns selbst, die schon immer da war.

    Und dann kann der Einzelne Vater und Mutter als Mann und Frau wahrnehmen. Wenn ich z.B. meine Mutter auch als Frau wahrnehme, bin ich bereit als Erwachsener die schwierigen Erlebenisse in der Kindheit “gut sein zu lassen”, also nicht mehr zu werten. Diese Liebe ist etwas kühler und nicht so heiss wie die kindliche Liebe.

    Liebe Grüsse und Danke für die wertvolle Inspiration
    Erwin

    Antworten
    • Lieber Erwin!

      Bitte gerne und danke für deinen umfangreichen Kommentar und dein Feedback!

      Genau die Brille steht als Metapher dafür, dass wir uns sobald wir durch die Brille sehen, wir können es auch mit einer gewissen Farbe verdeutlichen, daran erinnern, nicht zu bewerten. Sondern den Menschen, die Menschen vor uns UND uns selbst anzunehmen und zu sehen so wie sie/wir sind.
      Und dadurch enorm viel Druck heraus zu nehmen!

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten

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