Wenn Scheidungskinder erwachsen werden Part 2 – Was Eltern auf keinen Fall denken, tun oder sagen sollten

Aus der Retrospektive: Welche Worte Gift für die Seele eines Kindes sind und was stattdessen heilsam wirkt.

Im letzten Artikel bin ich darauf eingegangen welche Folgen es haben kann, wenn Kinder oder junge Erwachsene eine Scheidung miterlebt haben – oder wenn Konflikte in der Elternbeziehung einfach todgeschwiegen werden. Und auch, wie du trotz alledem dein Leben gestalten, deinen eigenen Weg gehen und erfüllende Beziehungen führen kannst.

Nun geht es darum, was Eltern tun können, um ihren Kindern einen emotionalen Rucksack mit auf den Weg geben können der federleicht ist und der möglichst viele nützliche Werkzeuge für ein erfülltes und glückliches Leben bereit hält.

Weil ich selbst die Scheidung meiner Eltern miterlebt habe, kann ich mir ansatzweise vorstellen, wie sich bestimmte Worte, Gesten oder Verhaltensweisen anfühlen.

Weil es mir ein Anliegen ist, möchte ich den Eltern und zukünftigen Eltern meine persönlichen Eindrücke und all das, was ich im Laufe meiner Ausbildungen mitgenommen habe, hier niederschreiben.

Die Liste mit meinen No go´s Kindern gegenüber

  • „Du bist mein ein und alles!“

Erhöht den Druck, Kinder seien für das Glück ihrer Eltern verantwortlich noch zusätzlich.

Und Kinder sollen Kind sein dürfen!

  • „Ich bin stolz auf dich!“

Fördert in unserer Leistungsgesellschaft noch mehr den Drang mehr und mehr zu tun, um danach belohnt zu werden. Und dann kann es passieren, dass ein Kind unbewusst glaubt leisten zu müssen, um zu gefallen und um geliebt zu werden. Und dieses Muster kann sich bis ins Erwachsenenleben ziehen.

Schöner finde ich in diesem Kontext : „Ich gratuliere dir zu deinem Erfolg“ – oder „Ich freue mich so für dich.“

  • „Du bist Schuld.“ (wenn auch nur gedacht)

 Kinder geben sich rasch die Schuld an einem Konflikt oder an weniger guten Gefühlen, die sie bei den Eltern wahrnehmen. Um die Ursache für diesen “Überlebenstrieb” ging es in Part 1.

Wenn es Eltern mal nicht gut geht, sie streiten oder eine Krise zu bewältigen haben bringt es nichts einfach eine heile Welt vorzugaukeln. Denn Kinder haben so ein feines Gespür, ihnen entgeht so gut wie nichts, freilich auch das Unausgesprochene.

Also ist es ganz wichtig zuerst anzusprechen was ist und die Verantwortung auf sich SELBST zu lenken.

z.B. „Papa und Mama haben gerade einen kleinen Streit, wir sind dabei das zu lösen und sei dir sicher, das hat nichts mit dir zu tun.“

  • „Papa ist ein Depp.“ – “Mama spinnt schon wieder.”- „Das ist wieder typisch für ihn/sie“- „Was hast du denn von ihm/ihr erwartet?“

Schlecht über Vater, Mutter, Oma, Opa – eigentlich die ganze Familie des Kindes zu sprechen bringt es in eine äußerst brenzlige Lage. Schließlich fließt das Blut beider Elternteile und beider Familien durch die Venen des Kindes.

Und wenn ein Elternteil einen anderen Teil ablehnt, lehnt er indirekt sein eigenes Kind ab!

Das gilt übrigens auch noch für erwachsen gewordenen Kinder. Solche Worte schmerzen immer, weil wir unbewusst so tief mit unseren Wurzeln verbunden sind.

  • „Entschuldige bitte“ oder „Kannst du mir verzeihen?“

Ein Kind kann niemals entschuldigen.

Weil die Eltern einfach drüber stehen. Wenn du jemanden um Entschuldigung bittest, legt du die Verantwortung für die Entscheidung in seine Hände.

Schöner und ehrlicher finde ich „Es tut MIR leid.“

 

Ich denke, wenn diese kleinen Grundannahmen in der Kommunikation bedacht werden und ein einfühlsames Verständnis für das gesamte Familiensystem besteht, macht das unsere Welt ein Stückchen besser!

Hast du schon Kinder? Und auch wenn nicht, hast du Dinge beobachtet die für dich ein absolutes “No go” darstellen?

P.S. Ich war bei der Scheidung meiner Eltern schon 21. Und trotzdem hat die Situation samt der Vorgeschichte viel in mir bewegt. Im Nachhinein betrachtet war es eine Chance mir ganz viel Gutes zu tun. Ich hoffe ich konnte dir heute etwas Bedeutsames mit auf den Weg geben!

 

Sei bei dir – bleib bei dir

12 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Michaela,

    bei deinem Artikel musste ich schmunzeln – und ich bin sehr dankbar, dass ich das heute kann. Mittlerweile habe ich meinen Frieden gefunden. Bei dem Satz “Ich bin stolz auf dich” fahre ich jedoch heute noch aus der Haut. Was neben dem Druck entsteht, ist auch ein Ungleichgewicht. Ich fühle mich klein und so, als würden meine Eltern von oben herab urteilen. Deine Alternativen finde ich sehr gut. Werde ich gleich mal weiterleiten 🙂

    Danke, dass du dieses Thema aufgegriffen hast!
    Liebe Grüße, Katrin

    Antworten
    • Lieb Katrin!

      Das freut mich! Ja so manche Redewendungen haben sich als Glaubenssätze so tief eingebrannt, dass sie immer noch etwas in uns auslösen. Egal wie alt wir werden 😉
      Die Frage ist, wie wir heute damit umgehen, und das ganze mit einer Prise Humor zu nehmen ist eine tolle Methode.

      Und das Lob von oben und ein “Ich bin so richtig stolz auf dich” bekommen wir dann gelegentlich auch noch im Beruf zu hören. Von Führungskräften oder Kollegen die sich wahrscheinlich gar nicht viel dabei denken. Dann ist es wichtig, dieses aufkommende Gefühl des klein seins einfach ziehen zu lassen. Denn deine Qualitätskritierien hast du ohnehin für dich definiert 🙂

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten
      • ich habe auch eine Weile nachgedacht darüber, was es in mir auslöst, wenn ich von einem Kollegen, “ich bin stolz auf dich” gesagt bekäme (so habe ich das noch nie betrachtet)

        für mich wäre es seltsam, wenn ich eine Arbeit abgeliefert hätte, und derjenige hätte keinen Beitrag dazu geleistet; dann würde ich es tatsächlich unpassend finden, es statt “hast du gut gemacht” zu hören

        andererseits zB das Lob meines Chorleiters nach dem Konzert, schließlich hat er mit mir geübt und damit mir zu meiner Leistung verholfen

        lg Bettina

        Antworten
        • Liebe Bettina! Stimmt wenn es um eine gemeinsam “Teamleistung” geht (und nicht von oben herab ist), könnt ihr tatsächlich auf euch beide stolz sein, jeder mit seinen eigenen “Qualitätskriterien” 🙂

          Lg, Michaela

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  • Danke Michaela für den Artikel

    Das mit dem: “Ich bin stolz auf dich” kann ich so nicht sehen. Ich hätte mich nie klein dabei gefühlt, sondern extrem groß. Ich habe mich ständig danach gesehnt so etwas einmal von meinen Eltern zu hören.

    Warum soll das klein machen, oder Druck erzeugen, wenn es ehrlich gemeint ist und vom Herzen kommt?

    Alles andere sehe ich genau so

    lG
    Cornelia

    Antworten
    • Liebe Cornelia!

      Danke für deinen Kommentar!

      Wenn jemand zu mir sagt “Ich bin stolz auf dich” bedeutet das in meiner Wahrnehmung, dass ich seine Qualitätsansprüche erfüllt habe. Und es schwingt ein bisschen der Appell mit, dass die Leistung wieder in diese Richtung gehen soll. (externe Referenz)

      Wenn jemand sagt “ich gratuliere dir zu DEINER Leistung” wird tatsächlich meine erbrachte Qualität gelobt. Führ mich fühlt es sich einfach besser an. (interne Referenz)

      Aber ich verstehe was du meinst und deine Sichtweise. Es kommt freilich auch auf den Kontext und auf deine innere Einstellung darauf an. Wenn es dich motiviert und du dir zusätzlich Kraft von Außen holst – ist das voll ok und gut wenn du es auch für dich nutzt.

      Lg, Michaela

      Antworten
      • Hallo Michaela

        vielleicht hat es auch viel damit zu tun, welche Erfahrungen wir haben und was dieser Satz in uns auslöst. Wenn ich zu meinen Kindern sage, dass ich stolz auf sie bin, dann meine ich das so, ohne irgendetwas daran zu knüpfen und das kommt dann auch so an. Zumindest wurde mir nie etwas anderes gesagt, bzw. ich hab es auch nicht wahrgenommen (gefühlt).

        Meine Kids sind nämlich da sehr ehrlich und wir haben ein sehr gutes Verhältnis.

        Deshalb denke ich, es muss jeder selbst hineinfühlen, was das bei ihm bewirkt und auch hineinfühlen, wie es sich anfühlt, wenn man es sagt. Und natürlich auch der Ton – der macht ja doch die meiste Musik.

        Alles Liebe
        Cornelia

        Antworten
        • Liebe Cornelia!

          Da bin ich ganz bei dir! Es geht um die Kongruenz die mitschwingt: wenn du den Satz “ich bin stolz auf dich” mit einem Lächeln im Gesicht und mit warmen Emotionen transportiert, wird er sicher nicht negativ gefärbt sein.

          Lg, Michaela

          Antworten
  • Hallo Michaela,

    ich habe das auch vor 25 Jahren schon so gesehen und versucht umzusetzen…
    Meine heute erwachsenen Kinder fanden es schöner sich sagen zu lassen, dass ich eine schlechte Mutter bin. Sie haben beide den Kontakt abgebrochen.
    Ihnen hat nicht gereicht zu hören, dass sie gut waren. …dass ich versucht habe, sie nach ihren Talenten und Charakteren zu fördern. …dass ich öfter mal “nein” sagte, wo andere “ja” sagten. Sie fanden nicht gut, dass ich kein Geld für ihre Leistungen auf den Tisch legte und es statt dessen ein fest vereinbartes Taschengeld gab. …dass sie für vieles, das sie wollten, sich auch selbst anstrengen mussten.
    Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen…
    Meine Erziehung hat ihren Charakter gestärkt, es hat sie selbstbewusst gemacht… Schön, dass zu wissen!

    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten
    • Liebe Andrea!

      Das tut mir leid. Aber es freut mich sehr, dass dich der Artikel gestärkt hat, und hoffe, dass sie in der Retrospektive noch merken welche positive Absicht du hattest!

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten
  • Liebe Michalea,

    lich finde es besonders schrecklich, wenn Eltern den anderen runtermachen, da fragt man sich schon, warum zusammenbleiben (nur der Kinder wegen? ich weiß, meine Mutter hatte es sehr schwer, leider hat sie auch die richtige “Familie” gefunden, von der sie sich sehr viel gefallen ließ)

    bei uns war es insofern noch schlimmer (das hat mich sehr geprägt), dass in unserer Familie mein Vater, seine Halbschwester und seine Mutter eine Art “Symbiose” hatten, und meine Mutter das Verhalten meines Vaters oft sogar noch entschuldigte, indem sie meine Tante und meine Großmutter dafür veratnwortlich machte, da sie meinen Vater ja so erzogen hätten
    es ging dogar noch weiter, dass an allem immer meine Tante und meine Großmutter schuld waren (nach dem Motto: mein Vater könnte ja nix tun, er wäre ja so erzogen worden, aber die Tante und Großmutter wären selbst verantwortlich für ihr eigenes Verhalten gewesen?)

    ja, und genauso wie du oben beschreibst, sind diese Vorwürfe noch immer Teil der Probleme mit meiner Mutter, da die anderen drei Beteiligten nicht einmal mehr leben

    lg Bettina

    Antworten
    • Liebe Bettina!

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ja Schuldzuweisungen an andere bringen gar nichts außer inneren Groll und Machtlosigkeit. Weil wir ja nur uns selbst und nie andere ändern oder gar verbiegen können. Klingt nach einer ziemlichen verstrickten Situation.

      Finde ich gut, dass du dich nicht zu diesen “Bewertungen” anderen gegenüber hinreissen lässt.

      Lg, Michaela

      Antworten

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