Wenn Scheidungskinder erwachsen werden – Part 1

Wie du die Spätfolgen erkennst, loslässt und dein eigenes Leben lebst.

Viele sind von der hohen Scheidungsrate betroffen, nur werden wir mit den Wirkungen oftmals sehr alleine gelassen.

Manchmal ist es soweit und eine Trennung ist für alle Betroffenen im Endeffekt das Beste.

Denn nichts ist meiner Meinung nach schlimmer, als Konflikte und eine lieblose Beziehung einfach todzuschweigen. Und zu beschließen einen Kompromiss einzugehen, es “auszusitzen” und doch zusammen zu bleiben.

Den Kindern zuliebe!

Oft leider auch eine Ausrede um tatsächlich nichts verändern zu müssen.

Dieser „Kompromiss“ ist eben nicht den Kindern zuliebe! Denn Kinder haben so feine Antennen was die Beziehung zwischen ihren Eltern angeht, dass sie es spüren werden. Und sie leiden, genau so wie die Eltern, wenn nicht noch mehr darunter.

Weil sie ihre Eltern lieben und unbewusst denken sie seien SCHULD, wenn auch nur irgendwelche Schwingungen in der Luft liegen!

Warum kann ich das wissen?

Ich bin selbst ein Scheidungskind. Ich war zwar schon 21, und dennoch, hat alles was zuvor passiert ist mein Leben beeinflusst.

Warum geben sich Kinder bloß die Schuld an jeder Misere?

Dieses Verhalten, die Eltern um jeden Preis zusammenhalten zu wollten, ist ganz tief in unserem Stammhirn verankert. Dort wo unbewusste Verhaltensmuster gespeichert sind, die früher überlebensnotwendig waren.
Es ist ein Überlebenstrieb, den Babies und Kleinkinder laut Evolutionsgeschichte haben, weil sie auf die Hilfe, Unterstützung, Ernährung, Pflege etc. beider Eltern angewiesen sind – um der rauhen Umwelt stand zu halten und gesund aufzuwachsen.

Und selbst in unserer heutigen „Wohlstandsgesellschaft“ ist dieser Trieb weiterhin vorhanden.
Wenn ein Kind spürt, dass etwas zwischen den Eltern nicht stimmt, bekommt es Angst. Angst, dass ein Elternteil gehen könnte weil es kriselt –  bekommt im wahrsten Sinne des Wortes TODESANGST.

Diese Angst prägt sich tief im Inneren ein und wird durch die unterschiedlichsten Auslöser immer wieder genährt. Ohne Auflösung dieser Muster auch ein Leben lang.

Welche Folgen es haben kann ein Scheidungskind zu sein – oder sogar auch nur keine erfüllende Beziehung zwischen den Eltern erlebt zu haben

Als Kinder wollen wir um jeden Preis die Trennung der Eltern verhindern. Deshalb stellen wir uns regelrecht dazwischen oder schlagen uns auf die Seite eines Elternteils, meistens auf die des „Schwächeren“.

Dementsprechend bekommen wir auch all die Gefühle, alle Blitze, die zwischen unseren Eltern herumschwirren ab. Und da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Möglichkeit haben diese Emotionen zu managen, drohen sie uns zu übermannen.

Was bleibt einem Kind dann übrig?

Bestimmte Gefühle werden verdrängt, weil sie einfach zu schwer auszuhalten wären. Ein Nebeneffekt davon ist es aber auch uns von ziemlich allen Gefühlen abzuscheiden, damit wirklich nichts durch kommt. Ein Schutzmechanismus. Damit wir als Kinder stark bleiben können und den Eltern damit suggerieren:

„Alles ist gut!”

Ja wir setzten auch noch unser strahlendstes Lächeln auf. Doch innerlich sieht es absolut nicht so strahlend aus.

Dieses Abschneiden von den eigenen Gefühlen kann im späteren Leben jedoch schlimme Folgen haben.
Denn wenn Gefühle verdrängt werden, brechen weniger angenehme Gefühle wie Angst, Frust, und Unzufriedenheit unkontrolliert durch – einfach damit wir irgendetwas SPÜREN.

Außerdem haben diese durchlebten Erfahrungen, auch wenn sie noch so lange her sind, Auswirkungen auf unseren Bindungsstil.

Wir neigen eher zu einem unsicheren Bindungsstil:
Vermeiden Beziehungen, haben einen angeknacksten Selbstwert und/oder haben irrationale Ängste verlassen zu werden.

Wir wollen Vieles besser machen

Und da wir ja freilich alles anders, alles besser als unsere Eltern machen wollen, ja sogar verurteilen was damals passiert ist – ist es sehr wahrscheinlich, dass wir genau diesen einbetonierten Wegen, die unsere Eltern geebnet haben, blindlings folgen.

Wir werden zu dem was wir ablehnen.

Es tut mir leid, wenn ich heute etwas melancholisch bin. Ich möchte dir allerdings etwas auf deinen eigenen Weg mitgeben! Das Wichtigste:

Und zwar, dass all das, was du erlebst hast auch eine Chance ist. Für mich war es das im Nachhinein. Sonst würde ich ziemlich sicher heute nicht das tun, was ich tue.

Die gute Nachricht – du kannst deinen eigenen neuen Weg gestalten und sehr wohl erfüllende Beziehungen leben

Alles was du erlebt hast, zeichnet dich aus und lässt dich nach mehr streben!

Auch wenn du denkst, dass dir gewisse Dinge in deiner Kindheit gefehlt haben (zB. Wärme, Liebe, finanzielle Sicherheit, Vertrauen,…) – genau das Streben nach diesen Eigenschaften macht dich unter anderem zu dem wertvollen Menschen der du heute bist. Nährt deine Kraft, Motivation und Lebensenergie.

Schritt für Schritt kannst du vergangene Erfahrungen und Prägungen loslassen uns so viele neue Möglichkeiten entdecken!

Schritt 1: Wissen: Bewusstwerdung deiner erlernten Muster

Sobald du dir darüber bewusst bist was passiert ist, und warum du auf bestimme Auslöser mit bestimmen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen reagierst, nimmst du ihnen die Power zu wirken.

Schritt 2: Annehmen was ist: Keinen Groll hegen

Sobald du inneren Widerstand gegen etwas oder jemanden  (deine Eltern) leistest, wird genau das zu deiner Realität.

Ich weiß, es ist oft nicht einfach zu sagen :

„Meine Eltern sind so wie sie sind. Sie haben ihr Bestes getan, nämlich genau das, was sie in der jeweilige Lage tun konnten. Sie selbst können nur geben, was auch sie selbst erhalten haben.“

Doch genau dieses annehmen ohne zu bewerten löst diese Muster auf.

Du bist nicht deine Vergangenheit.

Schritt 3: Gestalte dein Leben und deine Beziehungen : Tu dir etwas Gutes

Es gibt echt gute Methoden deine erlernten Verhaltensweisen loszulassen. Um gut mir dir selbst sein zu können und erfüllende Beziehung im Außen zu leben. Ohne jahrelange Therapie.

Und ja, es erfordert Mut und Stärke, doch es zahlt sich definitiv aus.

Im Kontext Trennung der Eltern kann ich euch wärmstens empfehlen, eine gut begleitete Familienaufstellung zu machen. Um euer inneres Bild der Familie neu zu ordnen. Und zwar so, dass du die ureigene Kraft deiner Familie im Rücken spürst. Am Ende des Artikels gibt’s meine Empfehlung, dort wo auch ich mein Herkunftssystem aufgestellt habe.

Und ja, Psychologen und gute Coaches sind dazu da, dich auf der Etappe dieses Weges zu unterstützen. Mit einem gut geführten Prozesses und zB. der Durchführung einer Timeline (hier gibst du dem Kind in dir die Ressourcen in die Hand, die es damals benötigt hätte, um mit seinen Emotionen umzugehen – und stoppst somit den Teufelskreislauf sich selbst wiederholender Muster).

Und diese ganze Entwicklung, Persönlichkeitsentwicklung ansich, darf und soll auch Spaß machen!

Es gibt so viele gute Bücher und tolle Menschen, die sich mit all diesen Thematiken beschäftigt haben. Weil sie es selbst erlebt haben.

Wenn du weitere Fragen hast und/oder Unterstützung benötigst schreib bitte einfach darauf los und melde dich bei mir.

Meine zusätzlichen persönlichen Empfehlungen

Ich empfehle nur, was ich selbst getan und erlebt habe bzw. extrem gut finde!

Hoch qualitative Familienaufstellungen bei Herta Plattner
Literaturtipp zu übernommenen Mustern von unseren Eltern vom Therapeutenehepaar Bösel (unterhaltsam erklärt, praxisnahe Beispiele und Wege zur Auflösung)
Blogtipp für alleinerziehende Mütter (weil das bestimmt kein Zuckerschlecken ist!) von Dr.Alexandra Widmer

 

P.S. In “Wenn Scheidungskinder erwachsen werden – Part 2″ wird es darum gehen, was Eltern auf keinen Fall denken, tun oder sagen sollten damit es Kindern möglich ist, ein Grundvertrauen aufzubauen. Bis dahin

 

Sei bei dir – bleib bei dir

14 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Schöner Artikel, habe mich an ein paar Stellen wieder gefunden, z. B. beim sich abschneiden von Gefühlen. Bin schon gespannt auf den zweiten Teil

    Antworten
    • Lieber Sepp!

      Danke für deinen Kommentar und dein Feedback. Dann bist du ja schon weiter als Schritt 1 (bewusstes Wahrnehmen)!

      Ich wünsche dir inzwischen alles Gute,
      Michaela

      Antworten
  • Liebe Michaela,
    prima Artikel, auch wenn ich nicht davon betroffen bin von wegen Scheidungskind. Meine Eltern waren über 40 Jahre verheiratet als mein Vater starb. Doch ich kann mich noch gut erinnern wenn es Streit gab bei den Eltern. Aus meiner Sicht wünscht sich ein Kind nur, dass die Eltern glücklich sind. Das ist meine Erinnerung. Alles andere ist Ablenkung aus der Sicht der Erwachsenen.
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich in einer langjährigen Partnerschaft irgendwann festgestellt habe, dass ich das gleiche Verhalten wie meine Mutter an den Tag legte. Und ich hatte das gehasst wenn sie das tat. Von da an habe ich das bei mir abgestellt. Kann ich nur empfehlen.
    Heute kann ich sagen ich freue mich, wenn ich im Alter mal so aktiv, fit im Kopf und gut aussehend bin wie meine Mutter, sie wird bald 70. Und mein Vater schaut von einem anderen Ort auf mich, das ist auch ein schönes Gefühl.
    Ich habe schon lange Frieden gemacht mit meiner Kindheit und meinen Eltern und kann es nur empfehlen. Ich bin froh dass es mich gibt, und dafür danke ich meinen Eltern. Auch für alles was sie für mich getan haben, in dem Wissen, dass sie immer auch ihr Bestes gaben.
    Herzliche Grüße
    Ute

    Antworten
    • Liebe Ute!

      Danke für deinen wunderschönen Kommentar <3.

      Den Satz "Ich bin froh dass es mich gibt, und dafür danke ich meinen Eltern" finde ich so schön und wohltuend für die Seele.

      Ich freu mich für dich, dass du deinen eigenen Weg gestalten konntest und da ich dich ja auch persönlich kenne, darf ich behaupten:

      Das spiegelst sich definitiv auch in deiner warmen Ausstrahlung und Lebensenergie wieder!!

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten
  • Das vermisse ich so – differenzierte Artikel über Scheidungskinder, deshalb danke für diesen Artikel.

    Ich bin kein Scheidungskind, aber meine Kinder wurden es, als sie Anfang/Mitte 20 waren. Als ich 8 J. alt war, hatten meine Eltern einen geharnischten Streit, dass ich dachte, sie würden sich scheiden lassen. Es WAR Todesangst, die ich spürte, was war in dem Moment das Ende … Jetzt bin ich davon überzeugt, dass eine Trennung allen Beteiligten viel Elend erspart hätte. Von sechs Kindern sind 4 geschieden!!

    Als meine Tochter Teeni war, fragte sie mich, warum ich “den Papa” eigentlich geheiratet hätte, er würde doch gar nicht zu mir passen. Und wunderte sich gleichzeitig über dieses Frage, da sie ja diesem Elternpaar ihre Existenz verdankte.

    Meine Erfahrung ist, dass die Motive fürs Zusammenbleiben sehr variieren, auch wenn es “der Kinder wegen” heißt. Und manchmal kann das sogar der bessere Weg sein.

    Zusammengefasst: Kinder wollen, dass Eltern zusammen bleiben. Kinder spüren aber auch, wenn etwas nicht passt. Kinder wollen auch, dass es Mutter und Vater gut geht. Aus diesem inneren Konflikt können Kinder allein keinen Ausweg finden, wir müssen ihnen helfen – am besten durch Ehrlichkeit.

    Antworten
    • Liebe Viktoria!

      Danke dafür, dass du deine Erfahrungen teilst und vielen Dank für dein Feedback, bedeutet mir viel!

      Wahnsinnig eindringlich wie Kinder ihren Eltern den “Spiegel” vorhalten können, so wie in deinem Beispiel!

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten
    • Meine Töchter waren 12 (Twins) als ich mich von meiner Frau getrennt habe.

      Ein paar Monate später habe ich mal mit ihnen darüber gesprochen, dass das ja vielleicht überraschend für sie kam, darauf sagte eine: “Aber Papa, meinst Du denn dass wir das nicht gemerkt haben.”

      Antworten
  • Ein wunderbarer Artikel Michaela. “Du bist nicht deine Vergangenheit”. Das ist völlig richtig.

    Ich bin auch ein Scheidungskind und kann mich mit vielem identifizieren, worüber du schreibst.

    Ich möchte noch das Buch empfehlen: “Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit” von Ben Furman.

    LG,
    Mara

    Antworten
  • kann mich nur den anderen anschließen, ein super Artikel

    schön, dass du es “geschafft” hast, liebe Michaela, das freut mich wirklich für dich

    ich bin zwar kein Scheidungskind, aber ich kann einiges nachvollziehen, da meine Mutter sich zwar nicht scheiden ließ, aber es nicht tat (sie hatte ihre Gründe, die es eben gab, und ändern kann man die Vergangenheit sowieso nicht)

    lg Bettina

    Antworten
    • ohhh, gut, dass ich nachlese, ist falsch ausgedrückt……..wollte schreiben, dass es besser gewesen wäre, wenn sie sich getrennt hätte

      Antworten
    • Liebe Bettina!

      Danke 🙂 Ja diese ganzen Gefühlsregungen spüren Kinder ja auch wenn es allgemein Konflikte gibt und die Eltern trotzdem zusammen bleiben. Die “Scheidung” ist dann ja quasi nur die Spitze des Eisberges!

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten
  • Liebe Michi,
    meine Eltern haben sich (offiziell) getrennt als ich bereits 27 war. Als meine Mutter mir davon erzählt hat war ich ehrlich erleichtert. Schon sehr lange habe gemerkt, dass die Beziehung nicht mehr passt. Für mich war die Scheidung meiner Eltern eine “Erlösung”. Mir ist richtig “der Knopf aufgegangen” und ich war es mir plötzlich selbst wert eine erfüllte Beziehung zu führen bzw. mein bisheriges Beziehungsmuster zu verändern. Ich habe plötzlich erkannt, dass ich meine eigene Traumbeziehung gestaltet kann. Kurz darauf habe ich erstmals in einer Beziehung erfahren dürfen was Liebe bedeutet.

    Kurz gesagt: Die Scheidung meiner Eltern war das beste was mir bzgl. meiner eigenen Beziehungen bzw. Beziehungsmuster passieren konnte. 🙂

    Liebe Grüße,
    Viki

    Antworten
    • Liebe Viki! Das freut mich, dass auch du diese Veränderung im Nachhinein als Chance ergriffen hast – und es dir selbst wert bist 🙂 Das spürt man 😉

      Alles Liebe,
      Michaela

      Antworten

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