No more Drama Baby! Stressmanagement für deine Beziehungen

Zwei wirkungsvolle Möglichkeiten wie aus Streit kein Drama wird, und du ruhig und gelassen kommunizieren kannst, anstatt regelmäßig in die Luft zu gehen.

Im täglichen Zusammenleben sind wir manchmal Meister darin, uns gegenseitig hochzuschaukeln.

Wusstest du, dass besonders unsere Partner, unsere Familie, einfach Menschen die uns nahe stehen, die Gabe haben uns aus der Reserve zu locken? Und ein Talent darin haben, unsere wunden Punkte zu drücken?

Wenn du bist jetzt keine Ressourcen zum Stressmanagement hast, um damit umzugehen, dann kann es passieren, dass jeder kleine Streit in Windeseile  zum Drama wird – und aus einer Mücke ein riesen Elefant wird.

Speziell im Stress passieren bei uns Menschen interessante Dinge

Unser Adrenalin und Kortisol, sogenannte Stresshormone, beginnen rasant zu steigen. Meist auch in Kombination mit Puls und Blutdruck. Unser Frontalkortex, oder auch vorderer Gehirnlappen genannt, wird weniger durchblutet und die Energie wird hin zum emotionalen Zentrum, der Amygdala gelenkt.  Sie tritt immer dann in Aktion, wenn Gefahr droht.

Doch unser Frontalkortex, von dem Energie abgezogen wird, ist für unsere Vernunft und für rationale Entscheidungen zuständig.

Wenn er also durch Stress ausser Gefecht gesetzt wird, funktioniert nur mehr eines: Flucht oder Angriff nach vorne. Und dann passiert es, Bam! die Emotionen gehen hoch.

Gegenseitige Vorwürfe treffen auf gegenseitiges Unverständnis.

Es entsteht eine Kettenreaktion, während derer plötzlich und rasend schnell Gefühle an das Licht kommen, die sonst ruhig unter der Oberfläche schlummerten.

Am Ende bleibt meist verletzter Stolz, ein Gefühl des Zweifels an der Beziehung und das Gefühl der Hilflosigkeit zurück.

Gelebtes Stressmanagement für deine Beziehungen 

Möchtest du diese Kettenreaktion an Gefühlen unterbrechen – und auch im Stress “normal” kommunizieren können?

Schritt eins, ist es einmal zu wissen, was bei dir passiert wenn du in emotionalen Stress gerätst.

Und auch folgendes Learning ist extrem wertvoll: “Hey, wenn ich im Stress bin, kann ich kurzfristig gar nicht ruhig kommunizieren!”

Denn wenn du das weißt, kannst du bewusst einen Break setzten, also quasi die Pause Taste drücken, bevor  du buchstäblich in die Luft gehst.

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Du unterbrichst dein Stressmuster selbst

Dazu empfehle ich, einfach kurz zu signalisieren:

“Hey ich brauch Pause, sonst geh ich gleich in die Luft!” Und dann den Ort des Geschehens kurz zu verlassen. Die Betonung liegt auf kurz. 

Ich bin der Meinung jede Krise die zu zweit durchgestanden wird, schweisst zusammen. Ein Davonlaufen, bringt viele Menschen eher auseinander.

Dazu bietet sich einfach an, den Ort zu wechseln, oder eine Runde um den Block zu gehen.

Wenn du dann merkst, wie deine Gefühle langsam wieder runter kommen, dann ist der Zeitpunkt perfekt, und wieder vernünftig miteinander reden zu können, ohne dich und den anderen unnötig zu verletzen.

2. Der gemeinsame Beziehungscode bei Stress: Du beziehst deinen Partner/deine Partnerin mit ein

Ganz essentiell dabei ist es, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen. Den Zeitpunkt noch bevor eine Lawine von Gefühlen, wie Dominosteine der Reihe nach umfällt.

Denn stattdessen kannst du einfach einen Dominostein aus der Kette herausnehmen, und die Situation von außen betrachten.

Dazu ist es zu Beginn notwendig, die eigenen Stressmuster und die deines Partner überhaupt zu kennen. Und darüber zu sprechen, welche Funktion diese Reaktion schon früher hatte. Vielleicht hast du durch Angriff oder Flucht Ruhe bekommen oder wurdest dadurch Gehört. Wenn auch nicht immer im Positiven Sinne.

Im Stress greifen wir auf die Muster zurück, die wir gut gelernt haben! Und die auch früher schon für uns funktioniert haben.

Eine tolle Möglichkeit ist es, wenn ihr euch einen Code (ein Zeichen, einen Laut, ein Wort, eine Berührung…) ausmacht, sobald eure eigene Stressreaktion oder die des Partners auftritt.

Dieses Signal steht für Stopp, ich bin kurz davor in die Luft zu gehen. Oder Stopp, ich hab das Gefühl du bist kurz davor in die Luft zu gehen! Je nachdem, wer es zuerst bemerkt!

Nachdem ihr im Guten einfach über eure Muster gesprochen habt, könnt ihr diesen Code mit einer Prise Humor verbinden. Vielleicht passiert es sogar automatisch, dass ihr zu lachen beginnt, wenn euer Code abgefeuert wird. Das entschärft, weil euere Amygdala signalisiert wird, es droht keine Gefahr mehr!

Sobald einer von beiden auch nur beginnt in seinem erlernten Stressmuster zu agieren, wird der Code abgefeuert. Und wenn ihr sensibel wahrnehmt und den richtigen Zeitpunkt erwischt, fällt nur ein kleiner Dominostein in der Gefühlskette und die positiven Gefühle und das gegenseitige Verständnis, dass ihr mit dem „Code“ verbunden habt, bleiben.

Und wer weiß, vielleicht braucht ihr das Stressmuster irgendwann gar nicht mehr!

Und du kannst mit Verständnis für dich und den anderen, anstatt mit Flucht oder Angriff reagieren! Spart einiges an Nerven 🙂

P.S. Hinterlasse doch einen Kommentar: Welches Signal könnte für dich funktionieren?

In meiner Beziehung ist es ein einfacher Satz der super funktioniert. Wenn einer von beiden beginnt sich gestresst zu fühlen, und sich über etwas furchtbar aufzuregen, kommt vom anderen die Frage: “Was stattdessen?“. Das Motto das hinter diesem Satz steckt lautet: Worauf möchtest du deine Aufmerksamkeit stattdessen richten, als darauf was gerade nicht funktioniert? Wofür bist du gerade dankbar?

Und danach sind die Emotionen meist soweit abgeflacht, das wir ruhig darüber reden können, was wir in Zukunft anders machen können. Aber eben lösungsorientiert und gechillt 🙂

 

Sei bei dir – bleib bei dir

Beitragsbild © rattleray – Fotolia.com

8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Danke für die Guten Morgen Lektüre 🙂 Tja, es ist verrückt. Da kann man jahrelang an sich arbeiten und doch bringen meine Partnerin und ich uns in der Beziehung immer wieder gegenseitig an unsere Grenzen 🙂 Es ist so eine schöne Quelle für Wachstum, doch leider auch furchtbar anstrengend und eigentlich IMMER zum unpassendsten Zeitpunkt 🙂

    Dabei ist es auch wichtig jegliche Art von Schuld so bewusst wie möglich von sich und der Partnerin fernzuhalten. Denn es ist keine Schuld, sondern eine ganz natürliche Beziehungsdynamik.

    Mir hilft dabei vor allem, dass ich in solchen Momenten Abstand von der Emotion gewinne (Spazieren gehe) um mein eigenes Thema wahrzunehmen, denn das geht im Konflikt eigentlich überhaupt nicht. Im Konflikt würden wir uns nur aufschaukel und tiefer hineingehen. Da helfen leider auch alles Musterbrüche und Code´s nicht.

    Dein Tipp darüber zu sprechen und eigene Kindheitsthemen anzusprechen ist fantastisch, doch bitte nicht mit dem eigenen Partner. Partner helfen die Themen zu erkennen, sollten aber im Sinne der Beziehung keine Therapeutenrolle einnehmen. Lieber das Geld ausgeben und sich dann professionell begleiten lassen.

    Nach der Aufarbeitung musst man auch gar nicht mit dem Partner über das Thema reden. In der nächsten Situation wo die Emotion aufkommt wird man eh getestet ob es wieder zum Konflikt führt oder ob das Thema bearbeitet ist… Und dann kommt das nächste ganz bestimmt 🙂

    Ein tolles Buch dazu ist vom Paartherapeuten David Schnarch – Intimität und Verlangen.

    Antworten
    • Lieber Nico!

      Danke freut mich!
      Bin ganz bei dir, Schuld ist ein Wort, das ich neben anderen aus meinem Wortschatz gestrichen habe.

      Schön, dass du für dich eine Lösungsstrategie gefunden hast, um deine Verhaltensmuster zu durchbrechen.

      Also ich spreche mit meinem Partner sehr wohl über die Ursachen unserer Stressreaktionen und warum gewisse Situationen, die ansich unscheinbar wirken, genau diese Reiz-Rekationskette auslösen. Mir geht es dabei nicht darum, in der Vergangenheit herumzugraben sondern meinen Partner besser zu verstehen und ihn dadurch noch aufrichtiger annehmen zu können.
      Wir haben allerdings schon gemeinsam ein Familienaufstellungsseminar besucht. Das bedeutet, wir haben unsere Familienthemen bereits gelöst.

      Danke für deinen wertvollen Input und die Buchempfehlung, der Autor hat echt interessante Ansichtsweisen 🙂

      Liebe Grüße,
      Michaela

      Antworten
    • Du sprichst SO wahr, Nico! Ich erkenne in Deinen Worten eine sehr reife und reflektierte Persönlichkeit, einfach toll. 🙂
      Und fetzt man sich nicht immer im unpassendsten Moment? 😉 haha
      Ich finde es toll, daß Du aus dem Konflikt erst mal ‘raus’ gehst um Dir Dein Thema darin anzusehen. Eine sehr gute Methode, um den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Ich denke, das erleichtert wohl auch das wieder aufeinander zugehen danach.

      Antworten
  • Hallo Michaela,

    das mit dem Code finde ich toll. Muss ich gleich mal ausprobieren. Ich spreche auch über alle Themen mit meinem Partner. Nicht damit er mir hilft meine Vergangenheit aufzuarbeiten – das ist meine Sache – aber um das Verständnis zu haben oder auch zu bekommen, warum ich oder er so reagiert.

    Manchmal ist es ein Wort, das bei mir ganz neutral ist und bei ihm etwas auslöst oder umgekehrt. Wir haben halt alle unsere Geschichte und Wörter oder Sätze sind bei mir bzw. bei ihm unterschiedlich behaftet.

    Also wir geraten nur in Streit, wenn wir beide selbst gerade sehr erschöpft sind. Ansonsten, können wir das ganz gut abfangen und darüber lachen.

    Alles Liebe
    Cornelia

    Antworten
    • Hi Cornelia!

      Thx für deinen Kommentar!
      Ja das kenn ich denn “im Stress blühen und gedeihen unsere alten Muster nur zu gern” – freilich auch die beste Möglichkeit zu wachsen 🙂

      Liebe Grüße,
      Michaela

      Antworten
  • David Goebel
    14. Mai 2014 10:40

    Hallo Michaela,

    das kenne ich sehr gut aus meiner Vergangenheit. Wir haben uns gegenseitig die Knöpfe gedrückt und uns unreflektiert nach oben geschaukelt.

    Weißt Du was ich so schön am Leben finde?
    Jeder Mensch hat die freie Wahl: Lerne oder Leide

    Und die Phrase “Wer hat Schuld?” habe ich schon lange ersetzt durch “Wer kann jetzt etwas daran ändern?”. Und danach kam: “Was kann ich daran ändern?”

    Michaela, Du hast einen tollen, bedeutsamen Blog!

    Liebe Grüße,
    David

    Antworten

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