Angst vor Nähe? Konkrete Schritte für deine Zukunft

Warum kann ich nicht mit Nähe umgehen? Welche „komischen“ Gefühle sich bei der Angst vor Nähe manchmal auftun, wenn uns jemand zu nahe kommt, und welche Schritte du gehen kannst, um in Zukunft die Nähe voll auszukosten.

Ich bin davon überzeugt, dass sich insgeheim jeder von uns nach Liebe, Zuneigung und totaler Annahme sehnt.

Es ist einfach ein menschliches Grundbedürfnis, Liebe zu geben und Liebe zu bekommen, da wir als soziale Wesen geboren werden.

Zumindest auf lange Sicht gesehen brauchen wir diesen nahen und innigen Zusammenhalt beinahe wie Brot und Wasser.

Auch diejenigen die beteuern, wie blendend es ihnen nicht alleine gehe!

Doch sobald du genauer nachfragst,  kommen auch sie rasch zu dem Schluss, dass sie tief drinnen auch das Bedürfnis nach inniger Nähe verspüren.

Die Angst vor Nähe alias vor dem „zu“-glücklich sein

Doch obwohl wir diesen Wunsch tief im Inneren hegen und pflegen, kann es passieren, dass wir uns mit „komischen“ Ängsten konfrontiert fühlen, sobald unsere Wünsche in Erfüllung zu gehen scheinen.

Zum Beispiel wünschen wir uns eine Beziehung und gehen alle Schritte dafür, und wenn unser Wunsch kurz vor der Erfüllung steht, dann stoßen wir plötzlich an eine imaginäre Grenze des möglichen.

Und die Zweifel die dabei entstehen, die Zweifel ob das alles so richtig ist und wir schon so weit sind, können sich sehr realistisch anfühlen.

Das psychologische Prinzip, dass hinter dieser Angst vor Nähe steckt, ist die obere Grenze. 

Dabei glauben wir tatsächlich insgeheim, dass wir Glück und Liebe nur bist zu einer gewissen Grenze verdient haben! Und alles was darüber hinaus gehen würde, alles wobei wir unser Komfortzone (das was wir gewohnt sind zu tun und zu bekommen) verlassen würde, das macht uns Angst.

Und diese Angst kann so weit gehen, dass wir uns selbst das Glück das hinter unserer Komfortzone liegt, verwehren.

Die Anzeichen für die Angst vor Nähe, können sich schon im Kleinen breit machen – je früher du sie erkennst, umso eher kannst du deine Angst konstruktiv verändern

  • Wenn dich jemand wirklich innig umarmt (so richtig Herz an Herz), dann bekommst du eine Art Beklemmungsgefühl
  • Sobald sich jemand total zu dir hingezogen fühlt, fragt sich eine leise aber wiederkehrende Stimme in dir, warum das überhaupt sein kann. Und du beginnst den Fehler an ihm/ihr oder an der Situation zu suchen.
  • Nach unglaublich starken anfänglichen Hochgefühlen für jemanden, und hohen Erwartungen, die du vielleicht sogar ausgesprochen hast – folgt sehr rasch die totale Ernüchterung.

Entweder du ziehst bald die Notbremse und flüchtest aus der Situation, oder du provozierst den anderen solange, bis er letztendlich das Handtuch wirft. (das Ganze passiert natürlich nicht mit voller Absicht, und nicht böswillig oder bewusst).

  • Selbst in langjährigen Beziehungen kann es passieren, dass durch Streit, extrem viel Arbeit oder andere Ablenkungsmanöver regelmäßig Distanz geschaffen wird. Nur um nicht mit den „komischen“ Ängsten konfrontiert zu werden, die auftauchen, wenn es zugut und gleichzeitig auch zu eng verläuft.

Aber eines sag ich dir: Es darf dir ruhig auch in deinen Beziehungen zu gut gehen 🙂

Um jetzt noch näher auf die Ursachen vor der Angst vor Nähe einzugehen, dafür kann ich dir diesen Artikel empfehlen.
Ich kann dazu nur sagen, dass diese Angst vor Nähe oft gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat, sondern mit einer vergangenen Enttäuschung und den Wunden, die noch nicht abgeheilt sind.

Was ich aber auf jeden Fall tun kann, ist dir Strategien in die Hand zu geben, um die Situation für dich Schritt für Schritt zu verändern.

Und du in den Genuss kommst, jedes mal ein Stückchen mehr Nähe zulassen und wirkliche Verbundenheit mit anderen Menschen leben kannst.

Ich bin definitiv ok

Alles was du für deinen eigenen Selbstwert tust, ist auch eine Bereicherung für deine Beziehungen.

Wenn es dir gut geht, geht es auch einen Beziehungen gut.

Denn wie sollst du Liebe von jemandem annehmen können, wenn du dich nicht bedingungslos selbst liebst?

Einen Satz den ich mal in einem früheren Artikel erwähnt habe, und der in diesem Kontext sehr gut gefallen hat lautet:

[BBSocial]„Feier eine riesen Party mit all deinen inneren Anteilen – sie gehören fest zu dir“[/BBSocial]

Das bedeutet soviel wie: Nimm dich an mit all deinen Stärken und vor allem Schwächen!

Das bedeutet wieder: Wenn du Hochgefühle des Glücks leben möchtest, darfst du auch das andere Spektrum der Gefühle leben. Damit meine ich Gefühle wie Wut, Scham, und Trauer. Denn auch sie haben ihre Berechtigung und ihre positive Absicht.

Du bist ebenfalls ok

Hinter der Angst vor Nähe, steckt auch oft das Misstrauen anderen Menschen gegenüber. Wobei das wieder aus vergangenen Erfahrungen resultieren kann, die nichts mit der Person zu tun hat, die gerade vor dir steht. Dann passiert eine Projektion: Du stellst quasi ein inneres Menschenbild vor die Person, die du gerade vor dir hast. Und das kann deinen Blick unglaublich trüben.

„Bei der Projektion werden eigene Impulse und Persönlichkeitsanteile, die ein Mensch nicht anerkennt und nicht in sein Selbst integriert hat, auf andere Menschen übertragen. Das ist ein natürlicher Abwehrmechanismus, um einen eigenen inneren Konflikt zu beseitigen. Stimmungen und Gefühle werden auf andere projiziert, um sich mit diesen inneren Anteilen nicht selbst konfrontieren zu müssen.“

Aktiviere nun die wertvolle Ressource der Vernunft in dir!

Mach dir bewusst, dass du dem Menschen, den du vor dir stehen hast, quasi eine ganz neue Chance geben möchtest, auf dich zuzukommen. Und auch ohne Vorurteile auf ihn zugehen kannst. Du ihn dir wie eine weiße, unschuldige Leinwand vorstellst, die noch beschrieben werden darf.

Was zusätzlich hilft, um deine eigenen Gefühle zu beruhigen, wenn du gerade Angst vor Nähe verspürst:

Versetze dich bewusst in die Situation des anderen!

– Wie geht es ihm/ihr dabei, wenn du dich in gewohnter Art und Weise verhältst? 

– Wie geht es ihm/ihr dabei, wenn du ihn/sie wegschiebst oder zusammenzuckst, wenn dir zu nahe gekommen wird?

– Und was hast du zu verlieren, wenn du so weiter machst? Das kann nämlich verdammt viel sein.

Die Gabe, Liebe zu geben und Liebe „auszuhalten

Wenn es dir noch nicht 100%ig gelingt Liebe anzunehmen, dann funktioniert auch ein schlauer Umkehrschluss in der Praxis sehr gut, um aus diesem Teufelskreislaufs auszubrechen:

Wie wäre es, wenn du beginnst einfach mehr Liebe zu geben?

Denn dann fällt es dir auch leichter Liebe anzunehmen. Manchmal steckt hinter der Angst vor Nähe nämlich auch der Glaubenssatz:

„Ich muss mir Liebe erst einmal verdienen.“

Um diesen Glaubenssatz zu beschwichtigen hilft es bereits einfach auf unterschiedlichen Ebenen Liebe zu geben! Sei es, indem du dich um deine Freunde, deine Kollegen oder um andere Lebewesen liebevoll kümmerst. Ohne etwas zurück zu erwarten.

Wie geht es dir mit inniger Nähe?
Wie viel persönlichen Freiraum forderst du für dich ein, und wie argumentierst du, ohne den anderen zu verletzen?
Hast du noch Hinweise, wie die Nähe zu einem anderen Menschen so richtig bereichernd und nicht als beengend empfunden wird?

 

Sei bei dir – bleib bei dir

Michaela Forstik

Beitragsbild © voyagerix – fotolia.com

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Also ich benötige keine körperliche Nähe, da ich durch und durch ein Sololäufer bin.
    Sobald mir irgendjemand auf die Pelle rückt, weiche ich aus, da es in mir immer wieder ein abstoßendes Gefühl auslöst.
    Wie hier so schön geschrieben wird, zählt körperliche Nähe zum Grundbedürfnis, was ich nicht bestätigen kann
    Ich habe eine gescheiterte Ehe sowie eine gescheiterte Beziehung hinter mir, weil eben nie mein Verhalten diesbezüglich verstanden und tolleriert wurde.
    Da mir eben diese körperliche Nähe gegen den Strich geht, ist die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln, die übervoll sind, der reinste Grauß. Aus dem gleichen Grund bekommt mich auch kein Mensch in einen Fahrstuhl oder sonstige einengende Beförderungsmittel wie z.B. ein Flugzeug.
    Kino, Theater oder sonstige Menschenansammlungen und “Ameisenhaufen” sind mir auch zuwider. Am wohlsten fühle ich mich allein in meiner Wohnung, wo mir keiner auf die Pelle rücken kann.

    Antworten
    • Lieber Guido!

      Danke für deine ehrliche Antwort!

      Das beschriebene biologische Grundbedürfnis dreht sich nicht rein um die körperliche Nähe, sonder um das Bedürfnis in ein soziales Gefüge eingebettet zu sein. Innige Freundschaften zu leben, gut in der Familie oder im Kollegenkreis aufgehoben sein und auch der innigste Wunsch nach Nähe, die Partnerschaft.

      Denn wenn wir nicht schon von Beginn an die Nähe zu unserer Mutter suchen würden, wäre das tatsächlich lebensbedrohlich.

      Aber jeder Mensch ist individuell und strebt auf andere Art und Weise nach Erfüllung! Solange es dir damit gut geht, und du offen und ehrlich deine Bedürfnisse ausdrückst, voll Ok.

      Gibt es bestimmte Situationen, in denen du dein Verhalten und dein Gefühl im Kontext Nähe gerne verändern würdest?

      Lg, Michaela

      Antworten
      • Hallo Michaela,
        wie ich ja oben schon geschrieben hatte, habe ich eine gescheiterte Ehe sowie eine gemeinsamlebende Beziehung, die jeweils zum scheitern verurteilt waren, aus denen ich eben meine Lehren gezogen habe, das ich ebenmein alleiniges Singleleben weiterlebe, weil mir da keiner irgendwie helfen kann, denn wie gesagt, aus zwei Niederlagen habe ich meine Lehren gezogen, und bleibe allein.
        Auch arbeitsmäßig muss mir diese nähe der Kollegen schleichend nervlich fertig gemacht haben, da ich meine Arbeit nicht mehr ausführen kann, und dadurch zuhause bin. Letztlich ging es sogar soweit, das mir der einfache Einkauf zuwider wurde, weil aus der Abneigung zu anderen Menschen noch die Platzangst hinzu kam, denn wenn ich einkaufen geh, habe ich immer das Talent endlose Warteschlangen an der Kasse zu haben, wo es ja nicht ausbleibt, von anderen umringt zu werden bzw. zu sein.

        LG, Guido

        Antworten
        • Lieber Guido!

          Das klingt schon nach ziemlichen Einschränkungen, die deine “Angst vor Nähe” auf dein Leben hat. Ich kann dir nur ganz wärmstens empfehlen, dir rasch eine Psychotherapeutin/ einen Psychotherapeuten deiner Wahl zu suchen. Denn, mit deren Unterstützung kann sehr schnell etwas gegen diese unbewusste Angst vor Nähe gemacht werden und du kannst die Situationen, in denen du dich wohl und sicher fühlst merklich ausweiten. Es heißt nicht, dass du deshalb alleine bleiben MUSST!

          Ich würde dir einen Verhaltenstherapeuten/in (sehr schnelle Ergebnisse) oder einen systemischen Familientherapeut/in empfehlen. Du kannst auch versuchen einen finanzierten Platz über die Krankenkasse zu bekommen, weil es sich bei der von beschriebenen “Platzangst” durchaus um eine definierte Diagnose handelt! Da stehen die Chancen gut!!

          Lg, Michaela

          Antworten

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